Die geotechnische Erkundung in Weimar steht oft vor einem verborgenen Stadtgedächtnis: Schuttverfüllungen, alte Kellergewölbe und der wechselhafte Muschelkalk, der schon Goethes Steinbrüche prägte. Seit der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert lagern unter vielen Baugruben anthropogene Auffüllungen, die mit klassischen Sondierungen schwer zu durchörtern sind. Die seismische Tomographie setzt hier an einer anderen Stelle an – sie liefert ein zusammenhängendes Bild des Untergrunds, ohne das Material zu durchstoßen. Besonders in der Tallage der Ilm, wo quartäre Sedimente auf verwittertem Muschelkalk aufliegen, ist das Auflösungsvermögen des Verfahrens entscheidend. Mit einem CPT-Versuch lassen sich die seismisch erkannten Schichtgrenzen punktuell verifizieren, während die Tomographie den gesamten Querschnitt zeigt.
Die seismische Tomographie zeigt, was der Rammkern nicht erfasst: laterale Wechsel zwischen intaktem Muschelkalk und ausgelaugtem Gipskeuper in einem einzigen Tomogramm.
Methodik und Umfang
Örtliche Baugrundfaktoren
In Weimar sehen wir immer wieder, dass Bauherren die seismische Tomographie erst dann beauftragen, wenn die Rammkernsondierung an unerwarteten Hindernissen abbricht. Das ist zu spät. Gerade in den Gründerzeitvierteln der Nordvorstadt liegen meterdicke Schuttlagen mit Ziegelresten, die den Sondierfortschritt blockieren und die Schlagzahlen verfälschen. Die Tomographie umgeht dieses Problem physikalisch: Sie misst Laufzeiten von der Oberfläche aus und rekonstruiert das Untergrundmodell ohne mechanische Penetration. In Karstgebieten am Stadtrand, etwa Richtung Ettersberg, detektieren wir mit Reflexionssignalen Hohlräume, bevor sie zu Tagesbrüchen werden. Ohne dieses Bild steht jede Baugrubenplanung auf wackligen Annahmen.
Geltende Normen
DIN EN 1997-2:2010 – Ergänzende Regelungen zu Baugrunderkundungen mittels geophysikalischer Verfahren, DIN 4094 – Untergrund: Felduntersuchungen, Abschnitt 6 Geophysikalische Untersuchungen, DGGT-Empfehlung Nr. 3.1 – Seismische Verfahren in der Baugrunderkundung
Weitere Fachleistungen
Seismische Refraktionstomographie
Basiert auf der Laufzeit der erstankommenden Wellen an der Oberfläche. Ideal zur Tiefenbestimmung des Festgesteinshorizonts und zur Kartierung von Verwitterungsgraden im Muschelkalk. Wir setzen das Verfahren in Weimar häufig auf Hanggrundstücken ein, wo die Überdeckung lateral stark variiert.
Seismische Reflexionstomographie
Zeichnet reflektierte Wellen aus größerer Tiefe auf. Liefert hochauflösende Profile von Schichtgrenzen unterhalb des Refraktors und detektiert Störungen im Gipskeuper. In Weimar nutzen wir die Reflexionsseismik gezielt zur Ortung von Subrosionssenken und alten Kelleranlagen unter geplanten Baukörpern.
