Bei der Baugrundvorbereitung für ein Mehrfamilienhaus am Weimarer Horn stießen wir auf unerwartet feuchte Horizonte unterhalb des Lösslehms. Die Bohrprotokolle aus der Vorbebauung zeigten nur Grobprofile. Also haben wir eine geoelektrische Tiefensondierung mit der Schlumberger-Konfiguration gefahren. Nach zwei Stunden Messzeit war klar: eine wasserführende Schicht in 8,5 m Tiefe zieht quer durchs Grundstück. Die Vertikale Elektrische Sondierung (VES) liefert genau diese Tiefeninformation, die das Bohrraster allein nicht bringt. In Weimar mit seinen heterogenen quartären Deckschichten über Muschelkalk und Keuper ist das ein Standardverfahren für uns. Wir setzen die Widerstandsmessung ein, wenn es um die Abgrenzung von Verwitterungszonen, Karsthohlräumen oder Grundwasserleitern geht. Ergänzend zur Sondierung nutzen wir die MASW zur seismischen Charakterisierung der Lockergesteinsüberdeckung.
Mit einer VES-Sondierung kartieren wir Tiefenhorizonte bis 40 Meter ohne einen einzigen Bohrmeter zu setzen — in Weimarer Muschelkalkformationen oft die einzige zerstörungsfreie Methode.
Methodik und Umfang
Die VES-Messung nach DIN 19711 nutzen wir mit Auslagen bis 150 m. Das reicht für Erkundungstiefen von 30 bis 40 m. Bei der Auswertung arbeiten wir mit robusten Inversionsverfahren. Die Ergebnisse werden mit Kalibrierbohrungen abgeglichen, die wir mit der Sondierung nach SPT ausführen. Unsere Geräte messen mit einer Genauigkeit von ±2 % des Anzeigewertes, was für ingenieurgeologische Fragestellungen völlig ausreicht. Die Interpretation der Widerstandsmodelle erfolgt durch erfahrene Geophysiker, die die lokalen geologischen Einheiten kennen.
Örtliche Baugrundfaktoren
In Weimar sehen wir häufig, dass Bauherren bei kleinen Grundstücken im Stadtgebiet auf Geoelektrik verzichten und nur Rammkernsondierungen machen lassen. Das ist riskant. Gerade im Bereich der Parkanlagen an der Ilm gibt es alte, nicht dokumentierte Verfüllungen und Hohlräume im Untergrund. Eine Rammkernsonde mit 60 mm Durchmesser kann einen Karsthohlraum von 1 m Spannweite leicht verfehlen. Die VES-Messung integriert dagegen ein Bodenvolumen von mehreren Kubikmetern.
Wir haben einen Fall in der Schillerstraße bearbeitet, wo ein geplantes Streifenfundament nachträglich auf Bodenaustausch umgeplant werden musste, weil die Geoelektrik eine weiche, tonige Linse in der Gründungssohle aufzeigte. Die Messwerte lagen bei unter 10 Ωm, während der umgebende Kalkstein 120 Ωm zeigte. Ohne VES wäre dieser Fehlstellenbereich erst beim Aushub aufgefallen — mit Bauverzögerung und Mehrkosten.
Geltende Normen
DIN 19711: Hydrogeologische und ingenieurgeologische geoelektrische Messungen, DIN EN 1997-2 (Eurocode 7): Ergänzende Regelungen zu DIN 4020, DIN 4020: Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, WTA-Merkblatt 3-15: Zerstörungsfreie Prüfverfahren in der Bauwerksdiagnose
Weitere Fachleistungen
VES-Tiefensondierung für Baugrund und Hydrogeologie
Vertikale Elektrische Sondierung mit Schlumberger- und Wenner-Konfiguration. Erkundungstiefen bis 40 m. Einsatz bei Fundamentbemessung auf Muschelkalk, Karsthohlraumerkundung und Grundwassererkundung. Inklusive 2D-Inversionsmodell und Schichtenverzeichnis nach DIN 4023.
Geoelektrisches Mapping und Profilschnitte
2D-Widerstandstomographie (ERT) entlang von Profillinien zur lateralen Abgrenzung von Bodenschichten. Ideal für Trassenplanung, Altlastenverdachtsflächen und die Erkundung von Verwitterungszonen. Auflösung bis in 0,5 m Tiefenschritte bei Oberflächenkartierung.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Tiefe liefert die VES in Weimar zuverlässige Ergebnisse?
In Weimarer Böden erreichen wir mit VES-Sondierungen zuverlässige Tiefeninformationen bereits ab 1,5 m unter GOK. Die maximale Erkundungstiefe liegt bei etwa 40 m, abhängig von der Auslagenlänge und den spezifischen Widerständen der Deckschichten. In den lehmigen Böden der Ilmniederung ist die Eindringtiefe etwas geringer als im trockenen Muschelkalk der Hanglagen.
Welche geologischen Besonderheiten in Weimar erfordern eine geoelektrische Untersuchung?
Weimar liegt im Übergangsbereich zwischen Muschelkalk und Keuper. Die quartären Deckschichten sind oft von Lösslehm, Travertinbänken und Aueablagerungen geprägt. Zusätzlich gibt es Karsterscheinungen im Muschelkalk, die Hohlräume und Dolinen verursachen können. Eine reine Bohrerkundung übersieht solche Strukturen leicht. Die Geoelektrik detektiert diese Anomalien zuverlässig.
Was kostet eine VES-Sondierung in Weimar?
Eine VES-Einzelmessung mit Auswertung liegt in Weimar zwischen €640 und €990, abhängig von der Auslagenlänge, der Zugänglichkeit des Geländes und der gewünschten Erkundungstiefe. Bei mehreren Sondierungen oder Kombination mit anderen Verfahren wie SPT-Bohrungen erstellen wir ein angepasstes Angebot.
